• Katrin Busch-Holfelder

Schlimmer geht's nimmer!


Angst als #Kreativitätspotenzial: Der Blick auf das Führungsverhalten


Angst ist ein Gefühl, das uns nicht nur im Job zu Stillstand und Bewegungslosigkeit führen kann. Angst ist ein Gefühl, das unser Leben prägt und mit dem wir einen guten Umgang finden müssen. Durch die aktuelle Situation der Corona-Krise ist das Thema Angst sowohl individuell als auch gesellschaftlich stärker in den Fokus gerückt.


Es gibt verschiedene Ansätze, mit Angst umzugehen und ich möchte keinen Appell oder Artikel über den Umgang mit Ängsten schreiben. Nein, ich möchte einen Impuls setzen, die Angst in produktive #Zukunftsfähigkeit umzuwandeln. Mit einem mutigen Blick auf die eigene Angst. Und zwar mit Hilfe des Worst-Case-Szenarios (auch Horror-Szenario genannt). Diese Technik wird gerne in der Unternehmensplanung verwendet, um zukünftige Ereignisse gedanklich bereits durchzuspielen. Und proaktiv wichtige Maßnahmen zu ergreifen.


Worst Case Szenario am Beispiel Führungsverhalten

Um bewusst andere Beispiele als die Corona- und Nach-Corona-Zeit zu nutzen, wähle ich heute die Reflexion des eigenen #Führungsverhalten .


Die Ausgangsfrage lautet: Was kann im allerschlimmsten Fall passieren?

... und zwar bezogen auf mein Führungsverhalten, egal wie "gut" es heute sein mag...


Worst-Case-Szenario: Meine Mitarbeiter*innen vertrauen mir nicht mehr. Sie schließen mich aus, liefern Falschinformationen und spielen mich in verschiedenen Unternehmenskontexten aus. Darüber geraten sie in Streit und der Zusammenhalt leidet darunter. Die Qualität der Arbeitsergebnisse sinkt. Die Nachbarabteilungen müssen mit unseren schlechten Ergebnissen weiterarbeiten, das hinterlässt wiederum Spuren beim Kunden. Da ich nicht angemessen auf diese Situation reagiere, wird das Problem immer größer. Die Folge ist, dass unsere Kunden zur Konkurrenz abwandern. Das bisherige Empfehlungsmanagement bricht zusammen. Wir erhalten schlechte Bewertungen, die überall sichtbar sind. Das spricht sich schnell in der Branche herum. Die Mitarbeiter*innen spüren das zunehmend schlechtere Klima und die finanziell angespannte Situation und beginnen das Unternehmen zu verlassen. Ich merke, dass ich zunehmend in Kritik gerate… usw.

Das Worst-Case-Szenario verhindern


Die anschließende Frage lautet: Was kann ich heute in meiner Rolle als Führungskraft schon tun, um dieses Worst-Case-Szenario zu verhindern?


In meinen regelmäßigen Team-Meetings richte ich den Fokus auf die positiven Aspekte und auf die gemeinsame Zusammenarbeit in Form einer Meta-Reflexion. Ich lobe und wertschätze meine Mitarbeiter*innen auf authentische und ehrliche Weise. Wir suchen als Team Potenziale und Ansatzpunkte, um unsere Zusammenarbeit zu stärken. Ich mache mir Gedanken über mein Führungsverhalten und reflektiere dies mit einem Sparringpartner. Vorhandene Potenziale schöpfe ich aus und entwickle mich weiter. Ich gehe wertschätzend mit meinen Nachbarabteilungen, Kolleginnen und Kollegen aller Hierarchieebenen um. Ich sehe die Bedürfnisse, Interessen und Stärken meiner Mitarbeiter*innen und richte die Arbeitsaufgaben, soweit wie möglich, gemeinsam mit ihnen darauf aus. Ich artikuliere klar und freundlich Ziele und Erwartungen und hole mir Feedback ein. Meine Kommunikation richte ich auf Klarheit und Transparenz aus. Ich gehe in echten Kontakt und führe Gespräche auf Augenhöhe. Konflikte sehe ich als Chance, gemeinsam dorthin zu schauen, wo Entwicklungspotenziale liegen. Wenn ich nicht weiterkomme, suche ich mir Unterstützung, Erfolge feiern wir gemeinsam … usw.

Schon beim Beschreiben des Worst-Case-Szenarios und beim Abtauchen in die damit verbundene Abwärtsspirale merken die meisten von uns, dass die Wahrscheinlichkeit, dass alles „Schreckliche“ eintrifft eher unwahrscheinlich ist. Methodisch bleibt man bewusst zuerst bei der Beschreibung des Worst-Case-Szenarios und betrachtet die eigenen Ängste und Befürchtungen.


Der Kreativität der Lösungsfindung wird in der Beantwortung der zweiten Frage Raum gegeben. Es werden alle Verhaltensweisen und Aktivitäten aufgeführt, die verhindern können, dass es überhaupt zum Worst-Case-Szenario kommt. Und diese Schritte zu gehen, sind plötzlich logisch und machen Sinn.


Ich habe bisher mit dieser Methode die Erfahrung gemacht, dass allein der Blick auf die eigenen Befürchtungen und Ängste schon Lösungen zustande bringt. Diese Worst-Case-Szenarien können in ganz verschiedenen Kontexten erarbeitet werden und fokussieren uns immer auf #Handlung und #Aktivität. Wir werden vom Angstvermeider zum #Zukunftsgestalter. Und das ist wichtiger denn je. Auch große Unternehmenslenker benutzen diese Technik. Und alles was getan werden kann, um das Horror-Szenario zu vermeiden, kann dann in Angriff genommen werden, und zwar proaktiv.


Wer hat schon Erfahrungen mit dieser Methode gemacht? Ich freue mich zu erfahren, wie es funktioniert, gerne in den Kommentaren.



© 2020 by Katrin Busch-Holfelder