• Katrin Busch-Holfelder

Karaoke-Bar – eine Erinnerung

Aktualisiert: Mai 11


Und da saß ich nun. Als Einkäuferin eines großen Konzerns nach langen Gesprächen mit Lieferanten und Produzenten. Im 25. Stockwerk eines 5*-Hotels in Jakarta, neben mir meine Verhandlungspartner, ein indonesischer Geschäftsführer, daneben der Inhaber eines schwedischen Unternehmens. Wir saßen in der Karaoke-Bar, zu viert. Mit mir noch ein Kollege, der für die technischen Fragestellungen zuständig war, er war eher zurückhaltend und ziemlich schweigsam.


Eine besondere Bar

Nachdem wir am Tag vorher die Fabrikbesichtigung gemacht hatten, die inhaltlichen Themen besprochen hatten, hatte der indonesische Geschäftspartner gastfreundlich in die Karaoke-Bar eingeladen. Erholt, aber auch energetisiert und erschlagen von einer Thai-Massage saß ich dort und dachte – Au Mist. Karaoke und Singen - das ist gar nicht mein Metier! Ich sah den Kollegen an und dachte – Auweia – seins wohl auch nicht! Er fand die Thai-Massage schon ungewöhnlich, dann das vegane Essen und jetzt auch noch das.... Karaoke. In Indonesien. In Jakarta. Im 25. Stock. Im Separee ...


Fast schon todesmutig

Und dann mein Gedanke, was kann ich persönlich jetzt tun, um den Abend trotzdem gelingen zu lassen? Was kann ich tun, damit wir hier gemeinsam rauskommen und nicht gegenseitig das Gesicht voreinander verlieren? Ich reflektiere mich und die Situation. Und mir kam der Gedanke, dass meine persönliche Angst, lächerlich zu wirken nicht der Maßstab des Abends sein konnte. Und nach einem weiteren Blick auf den Kollegen entschied ich mich Business-Profi zu sein ... und es tat gar nicht weh. Lauthals habe ich – vollkommen falsch und schief, Abba-Songs gesungen und Lieder, die ich vorher noch nie gehört hatte. Gelacht und tatsächlich im Tun, Freude bekommen. Der Kollege schlürfte Cocktails und sang nicht mit, aber er blieb und untertützte durchs Zuhören. Ich habe es ausgehalten, weil es erstens auszuhalten war und zweitens ausgehalten werden musste … oder eben einfach besser war in diesem Fall. Die indonesische und schwedische Gastfreundschaft war nicht verletzt. Ich hatte alles getan, was meiner Meinung nach zu tun war, unabhängig von meiner Angst, mich zu blamieren.


Lesson learned

Und bis heute blitzt der Funke der „Karaoke-Bar“ auf, wenn ich in Situationen komme, in denen ich eigentlich nicht sein will, wo ich die Grenzen meiner Komfortzone deutlich spüre und nicht drum herum komme, etwas zu tun, weil nichts tun, geht nicht... Und dann taucht er auf, der Gedanke ... „ach so schlimm war es doch gar nicht ... damals in der Karaoke-Bar“. Und mein Mut wächst ...



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Katrin Busch-Holfelder