• Katrin Busch-Holfelder

Hinfallen, Aufstehen, Krönchen richten, Weitermachen

Aktualisiert: vor 3 Tagen


Drei Impulse für einen gelassenen Umgang mit Fehlern


„Oh Mist, was ist mir da passiert?“


Ich werde oft gefragt, wie man im Arbeitsalltag gelassener werden kann. Hierarchieübergreifend: Von der Geschäftsführung bis hin zu Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern. Gelassenheit wünschen sich alle. Und ich muss ehrlich sagen, eine einfache Anleitung für alle wäre wunderbar. Wer wünscht sich das nicht?


Take it easy: Umgang mit Fehlern


Ein Thema, mit dem man an der eigenen Gelassenheit arbeiten kann, ist der Umgang mit persönlichen Unzulänglichkeiten oder Fehlern. Es gibt immer wieder Situationen, in denen man sein Verhalten hinterher bereut und alles andere als gelassen ist. Klassische Beispiele sind beispielsweise emotionale Ausbrüche, persönliche Angriffe, fehlende Fragen usw. Und dann kommt es automatisch: das schlechte Gewissen. Immer wieder beschleicht einen ein ungutes Gefühl und drückt sich in folgenden Gedanken aus: „Hättest du doch ..., warum machst du nicht …, nie schaffst du es…“. Je unzufriedener wir mit der eigenen Vorgehensweise sind, umso schlechter fühlen wir uns. Das lähmt, denn die zusätzlichen Gedankenschleifen beschäftigen uns auf negative Weise. Das fördert die eigene Unzufriedenheit. Und das war es dann mit der Gelassenheit: von wegen Fehlertoleranz – von wegen gelassen…


Was aber in der Arbeitswelt gewünscht und dringend notwendig ist, ist das Gegenteil. Ein gelassener Umgang mit Fehlern, persönlich, im Team und bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Gelassenheit, wenn es mal nicht so läuft wie geplant.


Hinfallen - Aufstehen - Krönchen richten - Weitermachen.




Wenn das doch nur so einfach wäre. Fehler sind bei den meisten Menschen in der Kindheit negativ konditioniert worden. Fehler sind falsch. Das geht nicht. Man muss es besser machen. Nicht umsonst nennen wir einen Fehler einen Fehler. Und das Wort Fehlertoleranz heißt doch, dass wir etwas falsch gemacht haben und einen guten Umgang damit finden müssen. Wir haben einen erwünschten Zielzustand nicht erreicht, wir liegen daneben, haben uns geirrt oder etwas übersehen…und damit müssen wir klarkommen. Und am besten daraus lernen.


Impuls 1: Konkretisiere den Fehler und wähle einen anderen Namen


Ein möglicher Ansatz ist es, ein anderes Wort für Fehler zu wählen, um somit die Perspektive zu ändern. Gehen wir doch bei den Synonymen auf die Suche…

  • Wie wäre es mit „Irren“ im Sinne von „Irren ist menschlich“?

  • Wie wäre es mit „Versehen“ in dem Sinne, dass man einen anderen Fokus und sich in diese Richtung ausgerichtet und wichtige Informationen übersehen oder nicht danach gesucht hatte?

  • Oder im Sinne eines „Missverständnisses“, das heißt man hat das Ziel oder die Aufgabe anders verstanden und sich daran orientiert.

  • Alternativ im Sinne des Wortes „Missgeschick“. Denn ein Missgeschick zeugt doch davon, dass man normalerweise geschickter agiert, dann war man eben mal ungeschickt.

Ein Blick ins Woxikon hilft bei diesem Wortspiel und schafft automatisch Distanz.

Impuls 2: Gib den Fehlern eine andere Bedeutung (Refraiming)


„Aus Fehlern wird man klug“, das wussten schon die Großeltern. Nur fühlt es sich als Weisheit anders an, als wenn wir selbst drinstecken.


Distanz zu schaffen, ist auch das Ziel beim Refraiming:


Fehler sind „Horizonterweiterer“: Fehler (nennen wir sie einfachheitshalber weiterhin so) eröffnen uns einen neuen Blick auf einen Zustand, den wir sonst nicht gesehen hätten. Auch, wenn es nicht auf Anhieb der gewünschte Zustand ist. Unser Horizont wird somit erweitert und vielleicht gewinnen wir durch diesen anderen Zustand, Klarheit über das eigentliche Ziel. Gerade in diesem ungeplanten Zustand können Chancen und Potenziale liegen, die wir sonst nicht gesehen hätten.


Fehler sind der Beginn von Entwicklung: Fehler stoßen uns auf Veränderungsbedarf. Ohne Veränderungsbedarf gibt es keine Verbesserung, keine Anpassung, keine Entwicklung. Also brauchen wir Fehler, um uns weiter zu entwickeln. Die wenigsten Dinge lernen wir im Leben beim ersten Mal. Denken wir an die ersten Essversuche als Kind, an das Radfahren, an die Unsicherheiten bei Freundschaften, an die richtigen Worte oder auch an das eigene Führungsverhalten. All dies sind Felder, an die wir uns herantasten und lernen, während wir ausprobieren. Und das gute ist, das der Weg das Ziel ist und links und rechts lernen wir eben auch hinzu. Ein zu frühes Erreichen des Zieles eschränkt also unsere Entwicklung ein, oder?


Fehler füttern unser Gehirn: Unser Gehirn liebt das Lernen, dazu ist es gemacht. Ein Leben lang. Wir tun unserem Gehirn also einen Gefallen, wenn wir es fordern. Also ist es normal und gewollt, dass wir Fehler machen und uns entwickeln. Wenn wir wieder einmal zu direkt sind oder zu emotional reagieren, haben wir die Chance, unser Verhalten zu reflektieren und innere Entwicklungsprozesse anzustoßen.


Impuls 3: Nimm die Gefühle ins Visier


Impuls 1 und 2 schaffen Distanz zum eigenen Fehlverhalten. Und die brauchen wir für mehr Gelassenheit. Distanz schaffen ist der erste Schritt.


Der zweite Schritt ist die Akzeptanz des eigenen Verhaltens/Fehlers. Also, z.B. dass man wieder einmal zu direkt war in der Teambesprechung, dass man seinen Mitarbeiterin oder den Mitarabeiter ungerecht behandelt hat, dass man nicht gut zugehört hat oder dass man die Fachaufgabe nicht richtig gelöst hat. Akzeptanz heißt: „Ja, ich war zu direkt und ja, das war nicht gut.“


Der dritte Schritt ist die Akzeptanz des Gefühls, dass damit einhergeht. Ja, wir haben einen Fehler gemacht. Und ja, wir fühlen uns wegen des Fehlers schlecht, denn unser Verhalten war nicht gut und es macht uns traurig, verunsichert uns oder erschüttert uns. Wenn wir die Gefühle wahrnehmen und annehmen, anstatt sie zu verleugnen oder gegen sie ankämpfen, lernen wir einen guten Umgang mit unseren Fehlern und unseren Gefühlen. Dann müssen wir uns nicht tagelang mit Gedanken „hätte ich, würde ich doch, wie konntest du nur…“ plagen, sondern wir können die Vergangenheit annehmen und uns aktiv nach vorne ausrichten. Das spart Energie und hat im Sinne von „sich etwas verzeihen können“ eine hohe Wirkungskraft. Eine Aussage wie „was geschehen ist, ist geschehen, das war nicht gut, und ich bin traurig darüber“, kann also sehr hilfreich sein. Und ist ein Zeichen von Stärke und nicht von Schwäche.


Der vierte Schritt ist die Ausrichtung nach vorne. Die echte Ausrichtung nach vorne. Diese können wir zum Beispiel mit folgenden Fragen einleiten:

  • Was können wir tun, um den gewünschten Zustand herzustellen?

  • Welche Lernchance eröffnet sich durch den Fehler?

  • Wie können wir es zukünftig vermeiden, dass etwas Ähnliches passiert?

  • Welche Qualitäten hat der „fehlerhafte“ Zustand und welcher Mehrwert könnte damit einhergehen?

  • Wer kann uns unterstützen und wie können wir in Verbindung mit anderen Menschen aus diesem Fehler lernen?


Was den persönlich entspannten Umgang mit Fehlern erleichtert, ist darüber hinaus unser Umfeld. Wir benötigen Sicherheit und das Gefühl, dass wir für Fehler nicht bestraft werden und wir o.k. so sind, wie wir sind. Das Gefühl, dass wir nicht 100% perfekt sein müssen.


Was zählt ist der Umgang mit den Gefühlen


Es geht also nicht um den Fehler an sich, sondern um unseren Umgang mit dem Fehler sowie um den Umgang mit unseren Gefühlen darauf. #Selbstreflexion hilft uns dabei.


#Fehlertoleranz entspannt jeden einzelnen und bringt Teams nach vorne. Dafür benötigen wir aber Selbstreflexion. Dies ist eine Fähigkeit, die in der heutigen Zeit und in #Zukunft immer wichtiger wird. Die Rahmenbedingungen unserer Arbeit werden von der Digitalisierung, Globalisierung und sich verändernder Umweltbedingungen geprägt. Zu lange in negativen Gedankenschleifen hängen zu bleiben, ist dabei eher hinderlich. Außerdem führt mehr Gelassenheit im Arbeitsleben auch zu einem höheren persönlichen Wohlbefinden und einer höheren #Lebensqualität. Selbstreflexion lohnt sich also doppelt und Fehlertoleranz ist eine Kernkompetenz der Zukunft.

© 2020 by Katrin Busch-Holfelder